Reduzierung von Infektionsrisiken

Studien haben gezeigt, dass Stillen das Risiko von Infektionserkrankungen bei Kindern um bis zu 50% reduziert. Weitere Studien legen Nahe, dass humane Milch-Oligosaccharide zu dieser Risikoreduzierung einen erheblichen Beitrag leisten.

Der einfache aber sehr wirkungsvolle Wirkmechanismus der humanen Milchzucker ist sehr gut beschrieben. Humane Milch-Oligosaccharide greifen direkt in den Mechanismus ein, wie Krankheitserreger den menschlichen Körper als Wirt erkennen und eine Infektion auslösen.

Krankheitserreger nutzen bei Infektion meist einen Mechanismus, in dem Strukturen auf der Oberfläche menschlicher Zellen eine zentrale Rolle einnehmen. Diese zellständigen Strukturen (surface-bound sugar) sind von zentraler Bedeutung in der Ausübung von überlebensnotwendigen Funktionen des Körpers, wie der Immunabwehr, Zellkommunikation oder der Bestimmung der Blutgruppe. Krankheitserreger wie Bakterien und Viren, nutzen diese Strukturen als Rezeptor um ihren Wirt als Menschen zu identifizieren und in die Zelle einzudringen um hierbei eine Infektion auszulösen. Es wird heute davon ausgegangen, dass in etwa 70% aller humanen Krankheitserreger diese Strukturen auf der Zelloberfläche als Rezeptor oder Co-Rezeptor in der Auslösung ihrer Infektion nutzen.

In der Nahrung gelöste humane Milch-Oligosaccharide (HMO) imitieren diese zellständigen Strukturen und übernehmen hierbei die Rolle eines Köders. Krankheitserreger können nicht zwischen humanen Milchzuckern und originären zellständigen Strukturen unterscheiden. In den Körper eingedrungene Krankheitserreger binden somit an die humanen Milch-Oligosaccharide. Diese irreversible Bindung zwischen Krankheitserreger und HMO verhindert die spätere Bindung des Krankheitserregers an eine menschliche Zelle, da der dafür notwendige Rezeptor bereits durch HMOs blockiert ist. Der Krankheitserreger wird dann zusammen mit den unverdaulichen humanen Milch-Oligosacchariden ausgeschieden und das Risiko einer Infektion ist reduziert.

Krankheitserreger gelangen meist über den Verdauungstrakt oder die Atemwege in den Körper. Da humane Milchzucker mit der Nahrung aufgenommen werden, sind diese in hoher Konzentration im Verdauungstrakt vorhanden. Zudem gehen humane Milchzucker in den menschlichen Blutstrom über und zirkulieren im Körper. Es wird daher auch von einem sogenannten systemischen Effekt dieser Zucker ausgegangen. Dieser systemische Effekt ist eine mögliche Erklärung dafür, wie humane Milch-Oligosaccharide vor Infektionen in Körperbereichen wie der Lunge, dem Gehirn oder dem Gehörgang schützen können.